
…aus dem Vorwort:
Warum mir dieses Buch so wichtig ist
Ein Welpe zieht ein – und plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war.
Da ist dieses kleine Wesen mit seinen weichen Pfoten, seinem offenen Blick und seinem noch unerschütterlichen Vertrauen in das Leben. Es berührt etwas tief in uns. Wir möchten es beschützen, ihm die Welt zeigen und alles richtig machen. Und obwohl wir wissen, dass wir einen Hund bei uns aufnehmen, fühlt es sich häufig nach viel mehr an.
Fast ein wenig wie Elternwerden.
Mit einem Welpen zieht nicht nur ein Tier bei uns ein. Es entsteht eine neue Verantwortung – und mit ihr eine Bindung, die auch in uns Menschen etwas verändert. Plötzlich machen wir uns Gedanken, die vorher nicht da waren. Wir sorgen uns, zweifeln an uns, beobachten jede Kleinigkeit und fragen uns immer wieder: Mache ich es richtig? Geht es meinem Welpen gut? Warum verhält er sich so? Und was braucht er wirklich von mir?
Ein Welpe berührt nicht nur unser Herz. Er berührt auch unser eigenes Nervensystem.
In den vielen Jahren meiner Arbeit durfte ich Tausende Welpen und ihre Menschen begleiten. Ich habe erlebt, wie aus einer ersten, oft noch vorsichtigen Begegnung eine tiefe Verbindung entstand. Ich habe Menschen gesehen, die über sich hinausgewachsen sind – und andere, die irgendwann erschöpft, verunsichert oder sogar verzweifelt vor mir saßen, obwohl sie sich so sehr auf das Leben mit ihrem Hund gefreut hatten.
Dabei habe ich immer wieder erkannt: Die meisten Schwierigkeiten entstehen nicht, weil Menschen ihren Hund nicht lieben. Sie entstehen, weil Liebe allein noch keine Orientierung schafft.
Menschen möchten alles richtig machen. Sie lesen Ratgeber, schauen Videos, besuchen Welpengruppen und erhalten unzählige, manchmal widersprüchliche Ratschläge. Der Welpe soll möglichst früh viele Menschen kennenlernen, andere Hunde treffen, verschiedene Orte besuchen und sich an alle nur denkbaren Situationen gewöhnen. Gleichzeitig soll er stubenrein werden, allein bleiben lernen, an lockerer Leine laufen, nichts vom Boden aufnehmen, nicht anspringen und zuverlässig zurückkommen.
So wird aus der ersten gemeinsamen Zeit schnell eine lange Liste von Aufgaben, die abgearbeitet werden sollen.
Doch während wir darüber nachdenken, was unser Welpe alles lernen muss, verlieren wir manchmal die entscheidende Frage aus dem Blick:
Wie fühlt sich dieser kleine Hund eigentlich in unserer Welt?
Ein Welpe hat gerade alles verloren, was ihm bis dahin Sicherheit gegeben hat: seine Mutter, seine Geschwister, vertraute Gerüche, Geräusche und Abläufe. Von einem Tag auf den anderen findet er sich in einer vollkommen neuen Welt wieder. Nun braucht er nicht zuerst möglichst viele Kommandos oder Erlebnisse. Er braucht einen Menschen, an dem er sich orientieren kann. Einen Menschen, dessen Nähe Sicherheit vermittelt und der erkennt, wann sein kleines Nervensystem neugierig und aufnahmefähig ist – und wann es Schutz, Ruhe und Entlastung benötigt.
Genau darin unterscheidet sich dieses Buch von vielen klassischen Welpen-und Pubertätsratgebern.
Es geht nicht in erster Linie darum, was er alles lernen soll, sondern was er sich von dir wünscht. Was er braucht um von einem hilflosen Baby zu einem selbstbewussten, in sich ruhenden Hund heranzuwachsen.
Dein Welpe nimmt nicht nur wahr, was du sagst oder tust. Er spürt, ob du innerlich klar bist, ob du ihm Halt geben kannst und ob er sich deinem Nervensystem anvertrauen darf.
………….
Neugierig geworden?
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